Mittwoch, 11. März 2015

Me made Mittwoch am 11. März 2015


Hallo und herzlich willkommen zum Me made Mittwoch, dem allwöchentlichen Treffen für selbstgemachte Kleidung. Ich blogge normalerweise als Nahtzugabe und darf euch etwas verraten: In Berlin ist endlich der Frühling ausgebrochen! Zwitschernde Vögel, Geruch nach feuchter Erde, Regen – die Zeichen sind untrüglich.


Letzte Woche zum Besuch der neuen Modegalerie des Kunstgewerbemuseums bei Dauerregen trug ich die WohnWolljacke, die ich im Januar bei der AnNäherung, dem Nähtreffen in Bielefeld gemacht hatte. Ich bin ja immer etwas zwiegespalten, was solche übergroß geschnittenen Kleidungsstücke angeht: das Verhüllende finde ich oft nicht besonders kleidsam, andererseits verbrachte ich meine frühe Jugend im wesentlichen in überdimensionierten grauen Sweatshirts, so dass ich eine gewisse Schwäche für Oversized-Kleidung behalten habe.

Tatsächlich stelle ich mir die Frage, wie „vorteilhaft“ im herkömmlichen, frauenzeitschriftengeprägten Sinne dieses oder jenes Kleidungsstück an mir aussieht immer seltener, je länger ich wieder selber nähe. „Vorteilhaft“ oder „nicht so vorteilhaft“ sind nicht die Kategorien, mit denen ich Kleidung in erster Linie bewerte, mindestens genauso wichtig sind meine Lust, ein neues Schnittmuster und neue Kleidungsformen auszuprobieren, ein bestimmtes Material zu verarbeiten und der Spaß am Nähprozess an sich. Und nicht zuletzt ist das Tolle am Nähen ja, dass man Details nach Belieben verändern kann.


Den Schnitt – 133 aus Burdastyle 11/2010 – habe ich daher größenmäßig gleich ein bißchen entschärft: die Ärmel der Jacke haben eigentlich 6 cm Überlänge, ich kürzte sie um diesen Betrag und schnitt die Jacke in Größe 36 zu (bei einem körpernahen Schnitt hätte ich 38 oder 40 genommen). Im Gegensatz zu vielen Oversized-Modellen bei Burda in der letzten Zeit sind die Schultern bei dieser Jacke nicht unendlich breit überschnitten und es gibt sogar eine angedeutete Armkugel, das heißt die Jacke ist zwar weit, aber nicht ganz so formlos wie die typischen Burda-Rechteckmodelle.


Die Ärmel legte ich quer zum Fadenlauf auf, dadurch verlaufen die Streifen bei Jackenkorpus und Ärmeln in der gleichen Richtung. Die große umlaufende Blende liegt im schrägen Fadenlauf, und beim Zuschneiden erlebte ich eine Sternstunde des Zuschneide-Tetris: die Anleitung verlangt 2, 60m einfarbigen Stoff – ich konnte das ganze auf 2, 20 m Streifenstoff quetschen und sogar die Streifenansätze in der hinteren Mitte am Kragen, am Saum und an den Seitennähten perfekt hinkriegen. Was für ein seltener Triumph!


Den Stoff muss ich euch noch einmal aus der Nähe zeigen: es ist ein außen sehr flauschiger Wollstoff, der auf der linken Seite einem kratzigen, locker gewebten Jutesack ähnelt. Die Streifen sind dunkelgrün, blau und violett und verschwimmen in der Gesamtwirkung aus einigem Abstand zu einem streifig strukturierten Blaugrün. Deshalb habe ich zufällig einen passenden blauen Gürtel für die Jacke parat und trage sie vorzugsweise mit Gürtel (und je nach Witterung mit oder ohne Trenchcoat drüber) zu einem kürzeren Rock, hier dem Lagerfeldrock von 2011. In den nächsten Wochen muss ich noch daran arbeiten, die Stiefel loszuwerden, dann steht dem Frühling nichts mehr im Wege.

Und wie sieht's bei euch heute aus? Bitte sehr: 

Kommentare:

  1. Ich verfolge den Me Made Mittwoch seit ich vor 2 1/2 Jahren mit dem Nähen begonnen habe und bewundere es nach wie vor, wie es den Mädels hier gelingt Schnitte an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen, damit und vor allem mit Burda habe ich nach wie vor große Schwierigkeiten, weshalb ich auch zumeist nach ebooks nähe.
    Deine Jacke ist auch so ein Beispiel für diese wunderbare Perfektion - alles stimmt, perfekt!
    Irgendwann wollte ich auch mal gerne dahin kommen, musste aber feststellen, dass ich doch lieber Taschen nähe, die figürlich nicht so anspruchsvoll sind wie ich... ;-)

    Aber ab und zu muss ich doch immer mal wieder ein Klamöttchen versuchen und dann bin ich froh, wenn es geklappt hat.

    Vielen lieben Dank für das Hosten vom MMM, auch wenn Catherine leider ausgestiegen ist...

    Ganz liebe Grüße
    und viel Spaß beim Tragen von deiner tollen Jacke

    Sabine

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    1. Danke! Ich glaube Nähen, also besonders Kleidung nähen ist in erster Linie Übung. Mit der Zeit kann man immer besser einschätzen ob ein Schnitt passen wird. Zumindest fand ich das am Anfang am schwierigsten, das Nähen an sich schafft man schon, aber die richtige Größe zu wählen und darauf zu vertrauen, dass es die richtige Größe ist, das ist anspruchsvoll.

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  2. Guten Morgen Lucy,
    ja, der Frühling kommt und in dieser noch unsicheren Zeit, was die Temperaturen betrifft, setze ich auch gern auf Schichtkleidung.
    Ich finde deine Oversize-Jacke ganz wunderbar; so ein Kuschelteil kann man fast ganzjährig gut gebrauchen und mit Gürtel getragen sieht sie sogar sehr schick aus.
    Ansonsten sehen solche weiter geschnittenen Teile auch in der Bewegung meist besser aus, als auf der Momentaufnahme eines Bildes, also lass dich bloß nicht abhalten, die Jacke zu tragen, zumal du die Streifenverarbeitung so geschickt gelöst hast.
    LG von Susanne

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  3. Hallo Lucy,
    die Jacke und der Rock sehen super aus und kleiden dich sehr gut. Die Jacke hat ein tolles Muster und der Rock ist auch klasse. Ich glaube, ich würde auch die 33-cm-Marke nicht scheuen - ich liebe Minis. Obwohl man bei der Originallänge ja vielleicht schon von einem Makro sprechen könnte ;-).
    LG ella

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    1. Jaa, das ist gerade mal pobedeckend, oder? Zu Abiturzeiten hatte ich sowas, allerdings als Shorts (karierter Wollstoff, die waren toll!), und eine sehr kurze Hose trägt sich schon etwas anders als ein sehr kurzer Rock.

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  4. Ich hab das komische Gefühl eine oversize Jacke zu brauchen. Danke dafür ;-)
    Lg Ella

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    1. Ich bin gespannt, wie du so eine Jacke ohne Schnitt herzauberst.

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  5. Hallo Lucy,

    schön, dass es den MMM gibt - ich freue mich jede Woche auf die Inspirationen!
    Aber eine Frage, die vielleicht mal an alle MMM-Mädels und "Mitmacher" gestellt werden könnte: Wie lange habt bzw. tragt ihr selbstgemachte Kleidung? Wenn eine jede Woche ein neues Shirt, Kleid ... näht, platzt doch der Kleiderschrank bald oder wird altes durch neues ersetzt? Ich tue mich immer schwer, selbst genähte Sachen auszusortieren - mit Kaufkleidung fällt mir das leichter.
    Vielleicht bekomme ich ja bald Antwort.

    Liebe Grüße und allen einen schönen Tag!
    Claudia

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    1. Hallo Claudia,

      ich bin ja eine Langsamnäherin, d. h. an 1 neues genähtes Teil pro Woche komme ich nicht heran. Letztes Jahr habe ich 24 Teile genäht und gestrickt, wenn ich mich richtig erinnere, das entspricht ungefähr meinem normalen "Kleidungsverbrauch", also dem, was ich in Kaufkleidungsphasen so konsumiert habe. Der Kleiderschrank wird trotzdem voller, weil ich mich mit dem Aussortieren schwer tue (auch ohne Unterschied, ob Kaufkleidung oder genäht). Ich schleppe auch noch 10 Jahre alte Teile aus pilligem Stoff durch, obwohl ich sie nicht mehr trage, weil sie schon etwas schäbig ausehen. Ich muss mir mal einen Ruck geben und aussortieren, das nehme ich mir seit Monaten vor!

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    2. Danke für deine Antwort - da können wir uns zusammen tun mit dem aussortieren ;-)
      Ich habe auch manch altes Teil im Schrank, was ich nur ganz selten anziehe, aber zum weggeben ist es mir dann auch zu schade. Andererseits nimmt es nur Platz weg und für die 2x im Jahr, wo ich es anziehe, findet sich sicher auch was anderes.
      Dann mal ran und frohes aussortieren!

      Claudia

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  6. Hallo , ich brauche bitte Hilfe!
    Ich bin zum ersten Mal dabei und habe keinen vollständigen Link eingegeben. Man landet wohl auf meinem Blog, aber nicht beim richtigen Beitrag. Wie kann ich denn das im Nachhinein noch ändern??? Ich war jetzt sogar kurz 2mal im MMM vertreten, ich habe keine Ahnung!

    Liebe Grüße Janet

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    1. Keine Sorge, Janet.
      ich versuche, das für dich im Linktool zu ändern.
      LG
      Wiebke

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    2. Ich habe bei deiner ersten Verlinkung die URL geändert, so dass man nun direkt auf deinem heutigen Post landet. Die zweite Verlinkung habe ich gelöscht.
      LG

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    3. Hallo Wiebke,
      vielen lieben Dank! Beim nächsten Beitrag passiert mir das nicht mehr, versprochen!

      LG Janet

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  7. Die Sache mit den übergroßen, grauen Sweatshirts kommt mir bekannt vor. Ich finde solche großen Jacken bei anderen oft ziemlich schick. Bei guter Materialwahl schwindet die Formlosigkeit sobald die Trägerin sich bewegt. Deine Jacke gefällt mir total gut und der Stoff dazu ist ein Traum. Mit dem schmalen kurzen Rock dazu, finde ich sie sehr überzeugend.
    Herzliche Grüße,
    Malou

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  8. Die Jacke ist schön, flauschig, gemütlich und kleidsam mehr kann man man einer Jacke nicht erwarten.
    Die Größe 36 war eine gute Wahl, ich finde sie sitzt genau richtig.
    Viele Grüße
    Sylvia

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  9. Eine wunderschöne kuschelige Jacke ist das - genau das Richtige für die jetzige Jahreszeit. Offen oder mit Gürtel sieht beides klasse aus. Gefällt mir sehr!
    LG SuSe

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  10. Ich find die Jacke super, mit kurzen Rock und Gürtel richtig edel. Hatte den Schnitt auch kopiert, aber nie den richtigen Stoff gefunden, deiner ist toll.
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  11. Das Ganze wirkt warm und trotzdem leicht, schöne Kombination. Naja, bei burda-Größen erlebt man manchmal Überraschungen... :-)
    LG Birgit/fadori

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